Das eigene Pferd – Vor- und Nachteile

Muss es unbedingt das eigene Pferd sein?

Früher oder später steht bei den meisten Reitern der Wunsch vom eigenen Pferd ganz oben auf der Liste. Bei Mädchen ist es eher früher, meist zu früh. Der Traum, mit dem eigenen Pferd Turniere zu gewinnen und Erfolge zu feiern, ist etwas ganz Besonderes und deshalb durchaus verständlich. Doch nicht immer ist der Wunsch gut überlegt. Bevor du den Schritt gehst, solltest du das Für und Wider gut abwägen. Denn ein eigenes Pferd ist mit viel Zeit, noch mehr Kosten und jede Menge Verantwortung verbunden. Und das nicht nur für die nächsten zwei Jahre.

Ein eigenes Pferd ist Verantwortung auf Lebenszeit

Ein eigenes Pferd ist Verantwortung auf Lebenszeit

Ein eigenes Pferd hat Vorteile

Mit einem eigenen Pferd hast du für lange Zeit einen festen Freund an deiner Seite. Ihr könnt euch zusammen entwickeln und viele schöne Stunden verleben. Gemeinsam durch dick und dünn, das ist ein Abenteuer der Superlative, dass nicht jeder erleben kann. Du musst dich mit niemandem absprechen und keine Termine einhalten. Du bist allein für das Pferd verantwortlich, kannst reiten, wenn du magst und mit deinem Pferd zusammen sein. Die Erfahrung, einfach aufsatteln und los reiten zu können, ist unersetzlich. Doch aus den Vorteilen ergeben sich auch die Nachteile.

Kaufen oder mieten – das ist auch beim Pferd die Frage

Bevor du dich voller Enthusiasmus auf die Suche nach dem eigenen Pferd machst, solltest du über die Vor- und Nachteile gut nachdenken. Ein Kauf ist nicht immer sinnvoll, besonders dann nicht, wenn sich in nächster Zeit in deinem Leben viel ändert oder du reiterlich noch nicht gefestigt bist und dich noch nicht für eine Reitdisziplin entschieden hast. Schließlich kann ein Pferd nicht alles.

Gerade zum Start deiner Reiterlaufbahn solltest du besser Schulpferde in einem Reitstall nutzen. Die Pferde sind gut ausgebildet und relaxt. Sie verzeihen dir manchen Fehler, den du als Anfänger machst. Vor einem Pferdekauf solltest du unbedingt sattelsicher sein.

Nachteil beim Kauf sind auch die Kosten, die auf dich zukommen. Bezahlst du bei einem Schulpferd im Reitstall oder bei einer Reitbeteiligung nur einen festen monatlichen Betrag, so musst du bei deinem Pferd alle Kosten selber tragen. Und die können immens sein.

Reitbeteiligung oder Reitstunde – die Kosten sind überschaubar

Die Kosten für Pferde sind sehr unterschiedlich und werden auch verschieden berechnet. Bei einem Schulpferd bezahlst du die Reitstunden, die du nimmst. Je nach Region und Stall betragen diese zwischen 10 und 20 € pro Stunden. Gehst du drei Mal in der Woche reiten und das über den ganzen Monat, bist du etwa bei 180 € im Monat. Es kommen keine weiteren Kosten dazu.

Anders sieht es bei einer Reitbeteiligung aus, bei der du das Pferd eines anderen Reiters mit nutzen darfst. Meist ist es so, dass die festen Kosten zusammengerechnet werden und auf die Stunden, umgelegt werden. Auch der Ausbildungsstand des Pferdes oder die Möglichkeit des Turnierreitens kann beim Preis mit ausschlaggebend sein. Reitunterricht ist dabei noch nicht mit einbezogen. Möchtest du nicht nur Freizeitreiter sein, musst du also auch noch die Kosten für den Unterricht einplanen.

Ein eigenes Pferd kostet Geld

Die Kosten sind natürlich nicht zu vergleichen mit den Kosten für das eigene Pferd. Hier musst du nicht nur die Pensionskosten einplanen, die je nach Stall zwischen 180 und 600 € liegen können, sondern auch Kosten wie Tierarztkosten für Impfen und Untersuchungen, Hufschmied, Sattelzeug,

Pferde-Haftpflichtversicherung und eventuell eine Krankenversicherung. Dazukommen eventuell Reitlehrer, vielleicht auch ein Bereiter.

Da ist ein Krank noch gar nicht eingeplant. Wenn sich dein Pferd verletzt, eine Kolik hat oder sich eine andere ernsthafte Erkrankung zuzieht, können Rechnungen mit mehreren Tausend Euro zu Buche stehen. Schon ein Klinikaufenthalt bei einer Kolik schlägt mit etwa 2.000 € und mehr zu Buche, wenn eine OP notwendig wird. Zusätzliche Kosten können aber auch die kleinen Dinge verursachen wie Spezialeisen bei Hufproblemen, das obligatorische Insektenspray im Sommer oder das Zusatzfutter für Sportpferde. Dazu kommt der Anschaffungspreis in Höhe von mehreren Tausend Euros und die Ausrüstung. Das eigene Pferd ist also kein Pappenstiel.

Kosten für ein Pferd im Überblick:

Kosten für Pensionca. 350 €/monatlich (variiert stark von Stall zu Stall)
Impfung2 x 60 €/jährlich
Wurmkur4 x 15 €/jährlich
Hufschmiedaller 6 Wochen ca. 80 €
Haftpflichtversicherungca. 100 €/jährlich
OP-Versicherungca. 190 €/ jährlich

Jährlich brauchst du für dein Pferd circa 5150 €. Da dürfen keine zusätzlichen Kosten für Tierarzt oder das Sattelzeug entstehen. Auch die Tüte Möhren ist noch nicht dabei. Und die Kosten sind auch dann zu tragen, wenn du deinen Job verlierst oder andere finanzielle Belastungen drücken.

Es ist alles eine Frage der Zeit

Ein wichtiges Argument ist auch der Zeitfaktor. Ein Schulpferd oder das Pferd der Reitbeteiligung wird auch ohne dich bewegt und versorgt. Um dein eigenes Pferd musst du dich kümmern, auch wenn dir der Pensionsstall vielleicht vieles abnimmt und das Pferd regelmäßig auf die Koppel bringt. Pflegen, bewegen, beim Hufschmied aufhalten oder dem Tierarzt zur Hand gehen gehören in deinen Aufgabenbereich. Das nimmt dir niemand ab. Während andere mit Freunden unterwegs sind, den neusten Kinofilm schauen oder in den Urlaub fahren, wirst du auf vieles verzichten müssen. Um dem eigenen Pferd gerecht zu werden, solltest du schon mehrere Tage in der Woche Zeit haben.

Ein eigenes Pferd ist Verantwortung auf Lebenszeit

Auch darüber solltest du dir bewusst sein. Ein Pferd kann über 30 Jahre werden. Nicht jedes Pferd kannst du bis ins hohe Alter reiten. Verantwortung musst du aber auch dann übernehmen. Das bedeutet nicht, dass du nicht auch für das Schulpferd oder das Pferd, das du als Reitbeteiligung nutzt, Verantwortung hast. Aber nur für begrenzte Zeit. Entwickeln deine Lebenspläne sich anderes, kannst du deiner eigenen Wege gehen, ohne dich um diese Pferde sorgen zu müssen.

Das Für und Wider zum eigenen Pferd solltest du also gut abwägen. Eine gesicherte, finanzielle Grundlage und vielleicht der Rückenhalt von Familie und Freunden in Notsituationen sollte Voraussetzung sein.