Reittherapie – Die Gesundheit durch den Umgang mit Pferden

Hippotherapie bzw. therapeutisches Reiten ist eine ganzheitliche Methode zur Behandlung zahlreicher Krankheiten, Behinderungen und Defiziten von Menschen in jedem Alter. Die Therapiepferde sind geschickte Alleskönner, die den Zugang zum Körper und Geist des Menschen finden und auf ihre einzigartige sanfte Art du Weise einwirken können.

Welche Krankheiten werden mit Reittherapie behandelt?

Die Hippotherapie kann bei der Verbesserung oder vollständiger Heilung von vielen körperlichen, geistigen und psychischen Erkrankungen helfen. Klassischerweise werden folgende Krankheitsbilder behandelt:

  • ADS/ADHS
  • Angeborene und erworbene Spastiken und Lähmungen
  • Apoplex
  • Borderline Persönlichkeitsstörung
  • Depressionen
  • Down Syndrom
  • Essstörungen
  • Geistige Behinderungen
  • Herzinfarkt
  • Infantile Cerebralparese
  • Lernbehinderung
  • Multiple Sklerose
  • Psychosen
  • Schizophrenie
  • Morbus Parkinson

Die Liste kann man uneingeschränkt fortsetzen, da so gut wie jedes chronische Krankheitsbild, ein Defizit oder eine angeborene Störung in der Reittherapie verbessert werden kann.

Dabei spielen verschiedenste Aspekte eine Rolle, z. B. der soziale Umgang mit dem Tier, Aktivität durch die Pflege und Versorgung der Pferde und natürlich das Reiten selbst.

Was passiert mit dem Körper beim Reiten?

Allein der Sitz auf dem Pferd spricht alle Muskelgruppen im Körper an. Durch die gleichmäßigen Impulse, die ein Pferd über den Rücken zum Reiter sendet, wird die Körperspannung angeregt, die Durchblutung gefördert, die sonst nur schwer erreichbare autochthone Rückenmuskulatur wird gestärkt. Durch die Bewegung des Tieres werden dieselben Muskeln aktiviert, die für einen physiologischen Gang des Patienten gebraucht werden. Aus diesem Grund ist es z. B. bei der multiplen Sklerose, Schlaganfällen oder Lähmungen anderes Ursprungs besonders interessant: Mit dem Reiten können notwendige Muskeln für den aufrechten Gang entwickelt und ausgeprägt werden. Das Becken wird aktiviert, der Gleichgewichtssinn wird unbeschwert und natürlich verbessert. Der gesamte Körper bekommt allgemein einen höheren Tonus, Spastiken werden gelöst und der Schmerz wird reduziert.

Mehr Körperspannung und physiologische Körperhaltung durch das Reiten

Mehr Körperspannung und physiologische Körperhaltung durch das Reiten

Umgang mit dem Tier und die sozialen Anforderungen

Patienten, die durch psychische oder geistige Erkrankungen beeinträchtigt sind, können durch den Umgang mit Pferden ihre soziale Kompetenz aufbauen und verbessern. Anders als der Mensch ist ein Therapiepferd frei von Vorurteilen, erlaubt dem Betroffenen eine unbeschwerte und liebevolle Kommunikation. Eine Bindung zum Pferd kann sehr stark werden und einen hohen Stellenwert im Leben des Patienten einnehmen. Das Tier dient nicht nur als Therapiemedium, sondern auch als Partner, eine Quelle der Zuneigung und des Vertrauens. Vor allem Menschen, die durch traumatische Erfahrungen oder Krankheiten wie die Schizophrenie das Vertrauen in ihre Mitmenschen verloren haben, können durch das Pferd indirekt kommunizieren und den Umgang mit eigenen Gefühlen verbessern. Ein Pferd kritisiert nicht, urteilt nicht und begegnet dem Patienten mit Vertrauen und Freundlichkeit, was sehr wohltuend und positiv für die Betroffenen ist.

Pferde und Kinder

Die meisten Kinder lieben Tiere, ob Pferd, Hund oder Maus. Dadurch wirkt das Tier als ein großer Motivator und kleine Patienten sind bereit, sich für den Vierbeiner anzustrengen. Kinder, die von ADHS betroffen sind, lernen am Pferd die Rücksichtnahme, Selbstbeherrschung und Sozialverhalten. Die Pferde sind in der Lage, das Kind zu spiegeln – so kann der Patient lernen, sich zu regulieren. Vor allem bei ADHS fällt es den Kindern sehr schwer, sich selbst und die Wirkung auf andere einzuschätzen. Hier springt das Pferd als ein natürlicher Spiegel ein und die Kinder lernen aus Liebe zum Tier die eigene Unruhe oder Aggression zu erkennen und diese bewusst zu steuern. Ebenso das bewusste Entspannen und Stress abbauen gelingt betroffenen Kindern durch die Reittherapie besser. Dadurch entwickelt sich ein gesundes Selbstbild.

Selbstbewusstsein durch die Reittherapie

Die Arbeit mit einem gut ausgebildeten Pferd ist dankbar und die Erfolge bescheren den Menschen mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit. Vor allem sozial unsichere Patienten können ihre Leistungen ohne Druck messen und die Verbesserungen in der Pflege, im Reiten und in der Bindung zum Tier von Stunde zu Stunde feststellen. Aus einer gut organisierten therapeutischen Stunde gehen Menschen mit einem guten Gefühl nach Hause und erreichen mehr Konzentration, Zielstrebigkeit und Selbstvertrauen, was sich auch auf den Alltag in der Schule oder im Berufsleben auswirkt.

Vertrauen und Selbstvertrauen gewinnen

Vertrauen und Selbstvertrauen gewinnen

Guter Anklang und hohes Potential

Therapeutisches Reiten gewinnt immer mehr Vertrauen in der deutschen Medizin, zahlreiche Krankenhäuser, Kurhäuser und Rehakliniken sowie Tagesstätten haben eigene Reittherapeuten zum regelmäßigen Umgang mit den Tieren. Viele private Krankenversicherungen und Stiftungen bezahlen den Klienten die Reittherapie, der Trend geht auch in die Richtung der gesetzlichen Krankenkassen. Aktuell wächst die Anzahl der Therapeuten stetig, meistens werden die Qualifikationen im Rahmen einer Weiterbildung erworben. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Erzieher, Pfleger und andere Berufsgruppen aus dem Sozialbereich bringen solide medizinische und pädagogische Kenntnisse und verbinden diese mit dem therapeutischen Reiten.

Video – Reittherapie

Video – Doku die heilende Sprache der Pferde